AVS AVS: Anthroposophische Vereinigung Schweiz
 

Die Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz

Die Entstehung der Anthroposophischen Vereinigung in der Schweiz (AVS) hängt eng mit der Spaltung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zusammen, die eine Folge des Auseinanderbrechens des von Rudolf Steiner anlässlich der Weihnachtstagung von 1923/1924 eingesetzten fünfköpfigen Gründungsvorstands, wozu neben ihm Marie Steiner, Ita Wegman, Elisabeth Vreede und Günther Wachsmuth gehörten.

 

Zur Geschichte

Rudolf Steiner hat als Voraussetzung für eine Gesellschaft, in der er verantwortlich tätig sein könne, das Mitwirken von Marie Steiner-von Sivers genannt. Er bezeichnete sie und sich selbst als die Begründerin der anthroposophischen Bewegung. Ihr allein hat er auch die Betreuung seines Nachlasses testamentarisch anvertraut, weil er sie dafür kompetent wusste. Als sie aber im Hinblick auf ihren Tod anders über diesen Nachlass verfügte, als es verschiedene Mitglieder aus dem Kreise der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft erwartet hatten, führte dies zu schweren Auseinandersetzungen. Die Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz ist aus den Schweizer Zweigen, Arbeitsgruppen und Einzelpersönlichkeiten hervorgegangen, welche zu den Nachlassverfügungen Marie Steiners standen. Die Gründung dieser Vereinigung ist noch mit Marie Steiner besprochen worden und erfolgte endgültig am 16. Januar 1949, ganz kurz nach deren Tod. Die begründenden Persönlichkeiten hatten ihr Verhältnis zur Allgemeinen Anthropo­sophischen Gesellschaft im Artikel 1 der Statuten wie folgt umschrieben: «Unter dem Namen Anthroposophische Vereinigung in der Schweiz besteht, als Landesgruppe der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, ein Verein.»
Mit ihrer Initiative wollte die Anthroposophische Vereinigung (AVS) innerhalb der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft aufbauend tätig sein. Als deren Mitglieder gedachten die Begründer der AVS selbstverständlich auch am Goetheanum Veranstaltungen durchzuführen. Schon im Laufe des Jahres 1949 zeigte sich aber, dass dies nicht möglich war; Anträge zur Aufnahme von Mitgliedern wurden ignoriert. Deshalb wurden 1969 die Statuten der AVS wie folgt geändert: «Sie betrachtet sich als Landesgruppe im Sinne von §11 der von Rudolf Steiner an der Weihnachtstagung 1923 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gegebenen Statuten».

 

Zur Tätigkeit

Die Tätigkeit der AVS umfasst die regelmässige Arbeit in den Zweigen und Arbeitsgruppen, die Veranstaltung von Jahreszeiten-Feiern und Wochenend-Tagungen zu bestimmten Themen sowie die Mitwirkung an der seit Jahrzehnten stattfindenden Sommertagung in Zürich. Seit ihrer Gründung gibt die AVS ihr Mitteilungsblatt heraus, in welchem aktuelle Themen zur Gemeinschaftsbildung, Geschichte der anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft und zu Zeitfragen behandelt werden. Der Kreis der Leser erstreckt sich über die Mitgliedschaft der AVS hinaus, sowohl in der Schweiz wie auch im Ausland.
Viele Mitglieder der AVS sind in anderen anthroposophischen Institutionen tätig, so zum Beispiel in der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung, als Lehrer an Rudolf Steiner-Schulen, in Vorständen von Schulvereinen oder innerhalb von künstlerischen Arbeitszentren. Die AVS ist auch eng verbunden mit dem Lebenswerk von Friedrich Eymann, durch dessen Wirken die Pädagogik Rudolf Steiners in zahlreichen Staatsschulen Eingang gefunden hat.

 

Die Zielsetzung

Die AVS setzt sich für das Werk und den Namen Rudolf Steiners ein. Sie unterstützte moralisch und materiell, vor allem die Herausgabe von Schriften aus dem Werk von Rudolf Steiner, aber auch andere anthroposophische Institutionen, insbesondere auf künstlerischem Gebiet.

Besondere Bedeutung für die interne Arbeit hat das von Rudolf Steiner hinterlassene esoterische Geistesgut, so vor allem die Unterweisungen für die Mitglieder der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft mit den zugehörigen Mantren. In diesem Bereich richtet die AVS als solche keine Arbeit ein. Sie überlässt die Initiative zur Bildung von Gruppen ganz ihren Mitgliedern und vertraut auf deren innere Haltung aus dem Geist der Sache. Die Beziehung dieser Arbeit zur übrigen anthroposophischen Tätigkeit ist eine rein geistige, keine institutionelle. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Gruppe entscheidet in keiner Weise über Stellung und Funktion eines Mitgliedes in der Vereinigung. In welchem Masse eine Persönlichkeit als Repräsentant der anthroposophischen Sache zu betrachten ist, ergibt sich ausschliesslich aus den Qualitäten, die sich der betreffende Mensch durch Arbeit an sich selbst erworben hat.
Die Konflikte, die zur Gründung der AVS geführt haben, sind heute noch nicht voll über­wunden. Annäherungen haben stattgefunden, aber noch ist manches an bewusstseinsmässiger Aufarbeitung zu leisten. Die AVS, die sich im Laufe der Jahre völlig von der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gelöst hat, geht weiterhin ihre eigenen Wege. Sie ist jedoch bereit, mit jeder anthroposophischen Gruppierung zusammenzuarbeiten, wo immer es die Verhältnisse nahelegen. Sie betrachtet das partnerschaftliche Zusammenwirken als eine moderne und fruchtbare Form eines freien Geisteslebens im Sinne der Anthroposophie.

Herbst 2011
Der Vorstand der AnthroposophischenVereinigung in der Schweiz